Führe mich nicht in Versuchung!
Tag 3 war Trainingsfrei. Jetzt bitte nicht lachen, aber Regeneration ist ein ganz wichtiges Ding beim Training. Ein anderer Grund war auch noch, dass eine kleine Erkältung oder Grippe aufkam. Wäre nicht gut,sich zu überanstrengen.
Da meine Muskeln eh mit Muskelkater beschäftigt sind, hielt ich es für richtig, einen Tag komplett auszusetzen. Frühstück wie gehabt beim Stammitaliener an der Ecke. Rührei und Kaffee, was sonst. Den ganzen Tag war ich mit Telefonieren und Gesprächen beschäftigt. Zum einen mit der Firma, die mir die Webseiten bastelt, zum anderen mit Dieter, meinem Kameramann und Cutter. Es ging um die Planung der nächsten Tage. Heute war ein Tag der Versuchungen. Ich, für meinen Teil, hatte alles voll unter Kontrolle und halte mich an meinen strikten Diätplan, aber ich habe gemerkt, es sind die anderen, die einen ständig in Versuchung bringen bzw. die Gegebenheiten. Es gibt nur kalorienreiches fettiges Zeug auf den Straßen zu kaufen. Überall lacht einen McDonalds, Burger King oder eine Dönerbude an. „Los beiß“ schon in den Apfel. Erst hatte ich mich abends zum Essen beim Inder verabredet. „Komm trink doch was mit uns, komm trink doch den Kurzen.“ Später dann in meiner WG (ca. 23.30 Uhr) „Auf komm doch mit, wir gehen noch aus. Komm auch mit.“ „Nein ich hab zu tun und muss morgen ausgeschlafen sein.“ „Ach komm schon“. „Trinkst du einen Sambuka mit uns?“ Getrunken habe ich nichts, aber noch ein Stündchen wegzugehen, darauf habe ich mich eingelassen. Man ist schon ein bisschen ein Outsider, wenn man nichts trinkt. Mal schauen wie lange ich dem Druck standhalten kann. Der Laden, in dem wir waren, der ein oder andere wird es kennen, die Kulturbrauerei. Die Strassen auf dem Weg dorthin, wie eigentlich überall in Berlin, sind gesäumt mit Dönerbuden. Vor dem Eingang der Kulturbrauerei werden geile Bratwürstchen und Burger gegrillt. Hat echt geil gerochen. Aber ich muss stark bleiben. Drinnen stehen Chips und Flips auf den Theken. Aber ich muss stark bleiben. „Ein großes Wasser für mich bitte.“ „Du Looser hier“, dachte die Bedienung bestimmt. Führe mich nicht in Versuchung, war das Stichwort. Man könnte meinen, ich bin Masochist, dass ich mir all das antue. Würde die Bibel neu geschrieben werden, wären die Strassen Berlins das Paradies und all die Döner-, Currywurst-, Pizza- und Burgerbuden die verbotenen Früchte. Wer ist die Schlange? Gute Frage. Die Konsumgesellschaft vielleicht??? Keine Ahnung. Ähnliche Analogien könnte man auch zu dem Straßenstrich ziehen, an dem ich öfters vorbei fahren muss. Auch hier muss ich stark bleiben ; bin ja schließlich katholisch erzogen worden.
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